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Atemnotsyndrom der kurzköpfigen Hunderassen / Brachycephalensyndrom

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Hunde der Rassen, die zu den Brachycephalen gerechnet werden, leiden besonders häufig an Atemproblemen, verursacht durch enge obere Atemwege. Generell kann es aber jeden Hund treffen. Mops, Boston Terrier, Französische Bulldogge und Yorkshire Terrier werden uns besonders häufig mit diesem Problem vorgestellt.

Die Tiere leiden unter mehr oder weniger stark ausgeprägten Symptomen der Atemnot. Außerdem treten schnarchende Geräusche beim Atmen auf. Die Krankheitszeichen verschärfen sich oft im Laufe des Lebens, und bei Vorstellung in der Klinik ist der Leidensdruck, d.h. die Atemnot der Hunde meist erheblich.

Es handelt sich um eine komplexe Erkrankung, bei der mehrere Probleme gleichzeitig auftreten können:

  • Zu enge Nasenöffnungen und Nasenhöhle
  • Enger Rachen
  • Zu langes Gaumensegel
und bei länger anhaltender Atemnot
  • Einengung des Kehlkopfes

Die Einengungen der Nase und des Naseneingangs spielen in der Regel nur eine untergeordnete Rolle. Wenn der Naseneingang jedoch völlig verlegt ist, ist eine Korrektur notwendig.

Neueren Studien zufolge liegt das Hauptproblem fast ausschließlich im Bereich des weichen Gaumens, der zu dick und zu lang ausgebildet ist. Dies führt zum einen zur Behinderung des Luftstroms aus der Nase und aus dem Fang in den Kehlkopf. Zum andern wird beim Einatmen die Spitze des Gaumensegels in den Kehlkopf gezogen, was zusätzlich den Luftstrom in die Luftröhre erschwert.

Wie aus den MRT-Bildern zu ersehen ist, bringt das alleinige Kürzen des Gaumensegels keinen wirklichen Erfolg. Durch die Dicke des Gaumens wird trotzdem der Luftstrom durch den Rachen (Nase und Mundhöhle) behindert. In vielen Fällen kommt es nach einiger Zeit durch die ständige Bewegung des Gaumensegels erneut zur Ausweitung und damit wieder zur Verschlechterung der Symptome.

Um diesem Problem um dieses Problem zu beheben, führen wir in unserem Haus die „Folded flap palatoplastik“ (FFP) durch.

Ziel der „Folded flap palatoplastik“ (FFP) ist es, die Dicke des weichen Gaumens deutlich zu reduzieren und das Gaumensegel zu kürzen. Dazu wird die Schleimhaut des weichen Gaumens mit der darunterliegenden Muskulatur bis zum freien Rand abpräpariert. Der Gaumensegelrand wird dann umgeschlagen und nach vorne in den Schleimhautdefekt eingenäht. Auf diese Weise erreicht man eine Verkürzung und eine starke Reduktion der Dicke des Gaumens. Das Risiko einer Schwellung oder Blutung im Anschluss an die Operation ist wesentlich geringer als bei der Standardtechnik. Ein erneutes Auftreten der Symptome ist sehr selten zu beobachten.

Verschiedene Gründe veranlassen Tierhalter abzuwarten, bis die Atemnotsymptomatik ihrer Hunde sehr weit fortgeschritten ist. Dabei treten aber in der Regel Folgeschäden auf. Durch einen über längere Zeit bestehenden starken Unterdruck im Kehlkopf kommt es zunächst zum Ausstülpen der Stimmtaschen. Sie engen den Luftdurchfluss zusätzlich ein und erhöhen so das Atemproblem. Im Laufe der Zeit wird der Kehlkopf, der aus Knorpel besteht, instabil und kollabiert beim Einatmen. Man kann dies mit einem beschädigten Druckschlauch vergleichen, der bei Unterdruck einfach zusammenfällt.

Sind lediglich die Stimmtaschen vorgefallen, entfernen wir sie mit Lasertechnologie. Bei den meisten Patienten führt dies zu sehr guten Ergebnissen. Wenn der Kehlkopf bereits instabil (kollabiert) ist, besteht keine Korrekturmöglichkeit mehr. Die Schwere des Kehlkopfkollaps entscheidet dann über die verbleibende Atemnot im Anschluss an die oben beschriebene Operation. Bei lange bestehenden hochgradigen Veränderungen kommt häufig die Hilfe zu spät.

Fazit:

Bei Anwendung der korrekten Technik hat eine frühe Korrektur des Atemnotsyndroms der brachycephalen Hunde eine hohe Chance auf ein nachhaltig gutes Ergebnis.

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Darstellung der „folded-flap“ Palatoplastik. Klicken Sie auf die Grafik, um sie zu Vergrößern.

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Magnetresonanztomografisches Bild (MRT) eines Hundes mit normalem Gaumen (zwischen den weißen Pfeilen).

Der Nasenrachen (oberhalb des Gaumens) ist gut belüftet (schwarz). Der Rachen (unterhalb des Gaumens) wird durch einen Narkoseschlauch offen gehalten.

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MRT-Bild eines Hundes mit verdicktem Gaumen (zwischen den roten Pfeilen). Der Nasenrachen (oberhalb des Gaumens) ist verlegt. Der Rachen (unterhalb des Gaumens) wird nur durch einen Narkoseschlauch offen gehalten.

Gehörgangentzündung (Otitis) beim Hund

Das Ohr des Hundes besteht aus drei Abschnitten (s. Bild rechts):
  1. der äußere Gehörgang mit senkrechtem und waagerechtem Anteil und dem Trommelfell
  2. das Mittelohr mit der Paukenhöhle und den Gehörknöchelchen
  3. das Innenohr mit der Schnecke und dem Gleichgewichtsorgan

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Klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrößern. (Quelle: Hill’s Veterinär-Atlas der Klinischen Anatomie)

Bei vielen Hunden kommt es gelegentlich zu einer Gehörgangentzündung, sei es aufgrund von Infektionen, Fremdkörpern („Grannen“) oder infolge einer Hauterkrankung.

Wie erkenne ich eine Gehörgangentzündung?

  • Unruhe des Patienten
  • Kratzen am Ohr, Reiben des Kopfes am Boden oder an Möbeln
  • Vermehrtes Kopfschütteln
  • Manchmal Kopfschiefhaltung
  • Rötung der Ohrmuschel und / oder des Gehörgangeingangs
  • Schmerzen beim Betasten des Gehörgangs; im fortgeschrittenen Stadium dauerhaft

Bei Gehörgangentzündungen sollte zunächst nach der Ursache geforscht und diese abgestellt werden:

  • Gründliche Untersuchung des Gehörgangs
  • Erkennen von Fremdkörpern und deren Entfernung (evtl. in Narkose)
  • Bakteriologische und mykologische (Pilze und Hefen) Untersuchung des Exsudates
  • Spülung des äußeren Gehörgangs
  • Probennahme bei Zubildungen im Gehörgang
  • Spezielle Blutuntersuchungen bei Verdacht auf eine Hormonstörung

Bild rechts: Der äußere Gehörgang ist verlegt. Die Wand ist hochgradig geschwollen, das entzündliche Exsudat wird von den Medikamenten nicht erreicht. Die Beurteilung des Trommelfells ist nicht möglich. (Quelle: Hill’s Veterinär-Atlas der Klinischen Anatomie)

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Magnetresonaztomografische Untersuchung des Kopfes (MRT)

Schon nach kurzer Krankheitsdauer (ca. 2 Wochen) kann es zu Verletzungen des Trommelfells kommen. Die Entzündung breitet sich dann ins Mittelohr aus, was sehr schmerzhaft ist. Die Paukenhöhle füllt sich mit abgestorbenem Gewebe und Eiter.

Bei der MRT-Untersuchung können Paukenhöhle (Mittelohr) und Innenohr sehr gut dargestellt werden. Röntgenbilder geben leider keine befriedigende Information.

Für die weitere Behandlung ist es von großer Wichtigkeit, ob auch das Mittelohr erkrankt ist oder nicht!

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MRT-Bild: Paukenhöhle auf der rechten Bildseite ist erkrankt (roter Pfeil). Auf der linken Seite stellt sich die gesunde Paukenhöhle schwarz dar.

Chirurgische Maßnahmen zur Behandlung einer chronischen Ohrentzündung

Ausschließliche Erkrankung des äußeren Gehörgangs (Otitis externa)

  • Chirurgische Eröffnung des äußeren Gehörganges (sog. Otitisoperation nach Zepp) oder
  • Entfernen des senkrechten Gehörganganteils (Ablation des vertikalen Gehörgangs)

Erkrankung des äußeren Gehörgangs und der Paukenhöhle (Otitis externa und media)

In diesem Fall führen chirurgische Korrekturen am äußeren Gehörgang nicht zur nachhaltigen Verbesserung oder zur Heilung. Therapie der Wahl ist die komplette chirurgische Entfernung des erkrankten Gehörgangs und Eröffnung / Sanierung der Paukenhöhle. Diesen Eingriff nennt man auch Ablation des Gehörgangs mit lateraler Bullaosteotomie. Diese Operation ist i.d.R. heilend.

Vielfach wird in Unkenntnis der Mittelohrbeteiligung eine falsche Operationstechnik angewandt. Versuchsweise eine „kleinere“ Operation durchzuführen schädigt nur den Patienten und verursacht unnötige Kosten. Die Ablation des Gehörganges mit Bullaosteotomie ist ein komplizierter Eingriff, der nur spezialisierten Kliniken und Chirurgen vorbehalten bleibt.

Unsere Chirurgen führen alle oben genannten Eingriffe routinemäßig durch. Mit Hilfe unseres MRT können wir das Stadium der Erkrankung präzise erfassen und Ihnen die in Ihrem Fall korrekte Maßnahme empfehlen. In den meisten Fällen werden MRT-Untersuchung und die notwendig werdende Operation in der gleichen Narkose durchgeführt.

Wir beantworten gerne Ihre Fragen. Vereinbaren Sie am besten einen Termin.

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Quelle: Hill’s Veterinär-Atlas der Klinischen Anatomie